Dorfzeitung Engeln und Umgebung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 







Engeln, wo ist das denn? cs

Nach 6 Jahren Studium und 5 Jahren Weiterbildung in verschiedenen Krankenhäusern im Ruhrgebiet, musste ich mir die Frage stellen, wie mein Medizinerleben nun weitergehen soll.

Mit zunehmenden Alter wurde die Sehnsucht nach meiner norddeutschen Heimat immer größer. Ich wollte Landärztin in Norddeutschland sein. Zwei Jahre suchte ich nach einer geeigneten Praxis, vom Harz bis zur Nordsee. Nichts dabei, wo mein Herz jubelte, ja das ist es. Bis die kassenärztliche Vereinigung Verden mir einen Vertragsarztsitz in Engeln bei Bruchhausen-Vilsen zur Nachfolge anbot. Oh Gott, wo ist das denn?

Der Juli 1995 war sehr heiß, als ich mit meinem Mann Siegfried bei Dr. Hilmer Meyer ankam. Der ratterte gerade auf seinem Rasenmähertrecker über das Grundstück. Nach einem Begrüßungs-Prosecco lud er uns ins Auto und zeigte uns erstmal die Gegend. Engeln, Affinghausen und Bruchhausen-Vilsen. Hier war es um mich geschehen. Dieser malerische Ortskern mit dem Puppenstubencharakter, den Lokalen, überall konnte man draußen sitzen an dem lauen Abend.

Ein hübsches kleines reetgedecktes Haus in Weseloh sollte die Praxis werden. Die Umbauten waren schon begonnen worden, in kürzester Zeit könnte es fertiggstellt werden. Die Handwerker begannen am nächsten Montag und als fast alles fertig war, bat uns Henry Hollmann vom Bauamt zu sich ins Rathaus. Hilmer Meyer, Heinrich Wachendorf und ich machten uns auf nach Bruchhausen-Vilsen.

Nein, eine Praxis in Weseloh würde er nicht genehmigen, nicht im Außenbereich des Ortes. Nein, eine Ausnahme würde es nicht geben.

Was nun? Peter Schmidt-Bormann schlug vor, einen Container aufzustellen, um mit der Arbeit beginnen zu können. Affinghausens Bürgermeister Delekat bot an, im Haus von Hermann Iburg die untere Etage zu nutzen. Wirklich interessant fand ich den Vorschlag von Engelns Bürgermeister Heinrich Wachendorf, in dem Gebäude seiner EDV-Firma Räume auszubauen. Im "Zentrum" von Engeln, und Parkplätze gibt es auch genug.

Innerhalb von drei Wochen waren Mauern hochgezogen, Fußböden gegossen und Decken eingezogen. Es war noch nicht alles ausgetrocknet, tapeziert, mit Teppichen und Jalousien versehen, als wir in dem bereits ausgebauten alten Teil, den wir von der EDV-Firma übernommen hatten, mit der Arbeit begannen. Zu meinem Glück konnte ich die Crew von Hilmer Meyer übernehmen. Ilse Ulm und Andrea Bracht hatten Erfahrung und kannten die Patienten. Oder besser, die Patienten kannten die beiden. Denn viele kamen, weil Ilse und Andrea da waren.

Vieles hat sich in den vergangenen 14 Jahren verändert, neue Mitarbeiter sind dazu gekommen, aber die beiden ersten der Stunde sind noch immer dabei. Die Arbeit ist durch zahlreiche Gesundheitsreformen, immer klammer werdende Krankenkassen und überbordende Bürokratie nicht leichter geworden. Aber den Schritt, mich in Engeln niederzulassen, habe ich nie bereut.

2001 habe ich im Dorf ein Haus gefunden, so dass ich hier nicht nur arbeite, sondern auch lebe. Seit mich auch der Schützenverein in seine Mitte aufgenommen hat, fühle ich mich hier so richtig wohl. Hier gehöre ich hin!

Gerda Meyer-Duncker