Dorfzeitung Engeln und Umgebung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 







Heinz Erhardt in Engeln cs

Gelungener Heinz-Erhardt-Abend im Landgasthaus Wachendorf
Woran denkt man, wenn man die Schlagworte „Hornbrille“ und „noch `n Gedicht“ hört? Natürlich an Heinz Erhardt, der dieses Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Seit dem 23. Oktober fällt einem in Engeln und umzu allerdings noch Jörn Brede ein. Dieser brachte den altbekannten Komiker nahezu lebensecht auf die Bühne des Landgasthauses Wachendorf in Engeln. Schloss man die Augen, konnte man stimmlich keine Unterschiede merken. Öffnete man sie wieder, fiel nur auf, dass Jörn Brede ein paar Kilo zur passenden Figur fehlten. Er war der Einladung des Heimatvereins Engeln e.V. gefolgt, um den Witz und nostalgischen Charme in den mit ca. 150 Besuchern gut gefüllten Saal zu bringen.
Dabei hat er selbst Heinz Erhardt kaum erleben können, ist er doch erst 3 Jahre vor dessen Todesjahr 1979 geboren. Aber im Zeitalter von DVDs scheint dies kein Hindernis zu sein, Mimik und Bewegung originalgetreu einstudieren zu können, ohne dass es einstudiert wirkt.
Bevor die Vorstellung los ging, haben sich die Zuschauer an dem reichhaltigen Schlemmerbuffet vom Landgasthaus stärken können. Sie waren nachher im Vorteil, konnte man doch so die Lachattacken auf das Zwerchfell mit einem vollen Bauch besser abfedern… Dann betritt Brede die spärlich dekorierte Bühne. Nur ein Cocktailsessel, ein nierenförmiges Zeitungstischchen mit einer Flasche Doornkaat und ein Piano nebst Pianist sind zu sehen. Der erste Beifall wird lakonisch mit „ich danke für das Geräusch“ bedacht, bevor es dann richtig los geht.
So wissen die Gäste nun, dass er seine Brille auch nachts trägt, um seine Träume besser sehen zu können und dass die Bratkartoffeln vom alten Fritz erfunden wurden und deshalb Pommes Fritz heißen.

 

 

 

 Brede weiß es geschickt, zwischen urkomischen Liedern wir „Luisenstraße 13“, was wäre das Leben ohne Skat“ oder „fährt der alte Lord fort“ und den Gedichten zu wechseln und die Übergänge mit viel Wortwitz zu meistern. Ist das Publikum zwar anfangs noch verhalten, fangen dann doch einige bei „fährt der alte Lord fort“ an, leise mitzusingen. Das scheint Brede an seine musikalische Familie zu erinnern. Die Mutter nähte immer auf der Singer-Nähmaschine, der Bruder sang/sank immer tiefer und brummt nun schon drei Jahre, und die Schwester ging bei der Geburt flöten.
                                                                                      


                                                                                       Nach dem „Erlkönig“ und „Herrn Lehmann“, bei dem
                                                                                       die Gäste nun schon mit fester Stimme den Refrain
                                                                                        mitsingen und „der Weihnachtsgans“, die mit 
                                                                                       Gänsehaut in der Tiefkühltruhe liegt – um nur
                                                                                       einiges zu nennen – genehmigt er sich erstmal einen
                                                                                        Klaren, dann sieht das Publikum gleich viel besser
                                                                                        aus.

 

Mit gut geölter Stimme fährt er mit „dem Kabeljau“ fort.
Als dann am Ende des ersten Teiles Herr Meyer –
mit ey, nicht ei! verlangt wird, ist der Saal nicht mehr zu
halten, sitzt doch die gesamte Familie der Zimmerei
Meyer aus Engeln direkt vor der Bühne.

 

 

 

 

 

 

 

 


Der 2. Teil beginnt mit einer Ansprache, die der Pianist mit dem Vorschlag unterbricht, doch erstmal das Publikum zu begrüßen. Schon schwingt sich Brede von der Bühne und begrüßt seine Gäste per Handschlag, um dann doch vom Pianisten gebremst zu werden, dass diese Prozedur zu lange dauern würde. Dabei hätte Brede auf den billigen Plätzen zwei Leuten gleichzeitig die Hand gegeben. So aber kehrt er zurück auf die Bühne unterhält die Zuschauer mit einigen paradoxen Wortpaaren, wie dem „eingefleischten Vegetarier“ und seinen Schüttelreimen.

                                                                                          

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachdem das Schicksal des Pechmariechens bedauert wurde, folgten einige Gedicht vom Ritter Fips.

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                         Bei „der Mann der Striptease–Susi“ zeigte Brede
                                                                                         trotz engem Anzug vollen Körpereinsatz und
                                                                                         verstand so, die Stimmung im Saal immer mehr
                                                                                          anzuheizen. Man kam aus dem Johlen und Lachen
                                                                                        nicht mehr heraus wenn denn erklärt wurde, dass
                                                                                         eine Frau immer zwei Ärzte hat – einen, wenn sie
                                                                                         krank ist, und einen, wenn etwas fehlt – oder bei 
                                                                                         Sprüchen wie:
                                                                                         Die alten Zähne wurden schlecht und man begann,
                                                                                         sie auszureißen. Die neuen kamen gerade recht, um
                                                                                         mit ihnen ins Gras zu beißen.


Als Höhepunkt folgte „und dann hau ich mit dem Hämmerchen mein Sparschwein kaputt“, da konnte wirklich jeder mitsingen. Damit verließ Brede zunächst die Bühne, um sich aber nicht lange bitten zu lassen.
Als Zugabe folgte „das Unwetter“, „damit die Stimmung im Saal nicht überkocht“ - was kaum gelingt. Dann scheint er an das Ende dieser Veranstaltung zu denken, wenn es heißt “wenn ich dann noch traurig bin, trink ich noch ´nen Korn“.
                                                                                                 Man kann ihn noch zu einer zweiten Zugabe
                                                                                                 verleiten.  Er fragt nach den Wünschen des
                                                                                                 Publikums , und wie aus der Pistole geschossen
                                                                                                 wird „die Made“ und „der Berg“ gefordert,
                                                                                                 zwei absolute Klassiker , die in keiner 
                                                                                                 Vorstellung fehlen dürfen. Da man sich nicht
                                                                                                 für eines entscheiden kann und will, wird
                                                                                                 großzügigerweise beides vorgetragen, was mit
                                                                                                 langem und ausdauerndem Applaus belohnt
                                                                                                 wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


                                                                                                      Sandra Martiny